Trauma verstehen, Nervensystem regulieren, Heilung finden – traumasensible Begleitung & Selbsthilfegruppe im Einklang. Mitgefühl statt Druck.
- Sandra Grubbert
- vor 12 Stunden
- 4 Min. Lesezeit
Viele Menschen tragen ein Trauma, ohne es zu wissen. Sie spüren, dass etwas im Leben nicht rundläuft – dass sie ständig angespannt sind, sich leer fühlen oder kaum Ruhe finden. Vielleicht funktioniert man von außen gesehen gut, aber innerlich herrscht Chaos oder Taubheit. Solche Reaktionen sind keine Schwäche. Sie sind Ausdruck eines Nervensystems, das nach Sicherheit sucht – nach all dem, was einmal zu viel, zu früh oder zu schmerzhaft war.
Ich bin selbst traumatisiert und kenne diesen Zustand gut. Viele Jahre lang habe ich einfach nur funktioniert, ohne zu verstehen, warum mein Körper und meine Gefühle so reagierten. Erst viel später habe ich gelernt, was Trauma wirklich bedeutet – und dass Heilung möglich ist, wenn man lernt, in Verbindung mit sich selbst zu kommen. Genau darum geht es in meinem Angebot „Mit Trauma leben lernen“ hier im Einklang : zu verstehen, was passiert ist, und Wege zu finden, den eigenen Körper und das Nervensystem liebevoll zu unterstützen.
Was ist ein Trauma?
Ein Trauma ist nicht nur ein schlimmes Ereignis, sondern das, was in Körper und Seele geschieht, wenn eine Situation zu überfordernd war. Wenn wir keine Möglichkeit hatten, zu fliehen, zu kämpfen oder Schutz zu finden, bleibt etwas in uns „hängen“. Das Nervensystem speichert die Bedrohung – manchmal über Jahrzehnte hinweg. Trauma kann durch körperliche oder sexuelle Gewalt entstehen, aber auch durch emotionale Vernachlässigung, Abwertung, plötzliche Verluste oder das ständige Gefühl, nicht sicher zu sein.

Bin ich traumatisiert? – Ein kurzer Selbsttest
Diese Fragen können dir helfen, dich selbst besser zu verstehen:
+ Belastende Ereignisse und Erinnerung
Es gab in meinem Leben eine oder mehrere Erfahrungen, die ich als extrem bedrohlich, beschämend oder überwältigend erlebt habe.
Wenn ich daran denke, fühle ich mich heute noch sehr unwohl, hilflos oder wie „eingefroren“.
Ich habe wiederkehrende, belastende Erinnerungen, Bilder oder Gedanken an diese Ereignisse, die sich aufdrängen.
Ich habe manchmal Albträume oder Schlafstörungen im Zusammenhang mit diesen Erlebnissen.
+ Wiedererleben und Trigger
Bestimmte Geräusche, Orte, Gerüche, Worte oder Situationen lösen plötzlich starke Gefühle oder Erinnerungen in mir aus.
In solchen Momenten habe ich das Gefühl, als würde das Belastende gerade wieder passieren (oder fast so, als wäre ich wieder damals).
Mein Körper reagiert dann sehr stark (z.B. Herzrasen, Zittern, Schweiß, Atemnot, Erstarren).
+ Vermeidung und Betäubung
Ich vermeide bewusst Orte, Menschen, Gespräche oder Tätigkeiten, die mich an das Erlebte erinnern könnten.
Ich merke, dass ich mich innerlich „abkapsele“ oder wie taub fühle, um nicht so viel zu spüren.
Ich lenke mich oft intensiv ab (Arbeit, Medien, Alkohol, Essen o.Ä.), um bestimmte Gefühle oder Erinnerungen nicht fühlen zu müssen.
+ Gedanken und Gefühle über mich selbst
Ich habe häufig sehr negative Gedanken über mich („Ich bin wertlos“, „Mit mir stimmt etwas nicht“).
Ich gebe mir selbst Schuld für Dinge, die mir passiert sind.
Ich schäme mich für das, was mir passiert ist, auch wenn ich rational weiß, dass ich nicht schuld bin.
Es fällt mir schwer, mir eine positive Zukunft vorzustellen; vieles erscheint sinnlos oder hoffnungslos.
+ Beziehungen zu anderen
Es fällt mir schwer, anderen Menschen zu vertrauen.
Ich fühle mich oft anders als andere und habe das Gefühl, nicht richtig dazuzugehören.
Nähe und Distanz in Beziehungen sind für mich schwierig (entweder ziehe ich mich sehr zurück oder klammere mich stark).
Konflikte oder Kritik können bei mir extrem starke Reaktionen auslösen (z.B. Panik, Wut, völliger Rückzug).
+ Alltag und Funktionieren
Ich habe häufig Konzentrationsprobleme oder bin „wie neben mir“.
Ich bin schnell reizbar oder wütend, manchmal stärker, als die Situation es eigentlich erklären würde.
Ich fühle mich oft innerlich angespannt, auf der Hut oder leicht zu erschrecken.
Mein Alltag (Arbeit, Ausbildung, Haushalt, soziale Kontakte) ist durch meine Gefühle oder Erinnerungen merklich beeinträchtigt.
Grobe Einordnung deiner Antworten
Zähle für dich, wie viele Aussagen du innerlich mit „ja“ oder „trifft zu“ beantwortet hast:
0–5: Einzelne Belastungsanzeichen, die viele Menschen nach schwierigen Erfahrungen kennen. Trotzdem darfst du dir Unterstützung holen, wenn dich etwas beschäftigt.
6–12: Deutlichere Hinweise darauf, dass dich frühere oder aktuelle Erlebnisse stark beeinträchtigen. Es kann sehr sinnvoll sein, mit einer Fachperson zu sprechen.
Warum das Nervensystem so wichtig ist
Dein autonomes Nervensystem regelt, ob du dich sicher oder bedroht fühlst. Nach traumatischen Erfahrungen kann es dauerhaft in Alarmbereitschaft bleiben – ein Zustand, der zu dauerhafter Anspannung, Angst oder Erschöpfung führt.
In der Traumatherapie und in körperorientierter Arbeit geht es daher oft darum, das Nervensystem zu beruhigen und neu zu regulieren. Erst wenn der Körper wieder Sicherheit erfährt, kann sich auch die Psyche öffnen.
In meinen unterschiedlichen Angeboten arbeiten wir genau daran: durch achtsame Körperwahrnehmung, Atemübungen, Regulationstechniken und sanfte Gespräche.

Die wichtigsten Schritte auf dem Weg der Heilung
Verstehen, was Trauma ist. Wissen bringt Bewusstsein – und Bewusstsein bringt Selbstmitgefühl.
Dem Körper zuhören. Heilung geschieht nicht nur im Kopf, sondern tief im Nervensystem.
Sanft regulieren. Statt Druck braucht Heilung Sicherheit – durch Atem, Bewegung, Erdung, Ausdruck.
Verbindung finden. In sicheren Beziehungen – zu dir selbst und zu anderen – beginnt Neubeginn.
Geduld haben. Der Weg aus dem Trauma ist kein Sprint, sondern ein liebevolles Wiederankommen bei dir selbst.
Warum eine Selbsthilfegruppe helfen kann
Viele Traumata entstehen in Einsamkeit – und genau dort bleiben sie oft stecken. Eine Selbsthilfegruppe bietet einen Raum, in dem du verstanden wirst, ohne dich erklären zu müssen. In der Gruppe „Mit Trauma leben lernen“ unter der Leitung meiner Kollegin Kathrin Graßhoff (Heilpraktikerin für Psychotherapie, Schwerpunkt Trauma und Nervensystem) treffen sich Menschen, die Ähnliches erlebt haben und sich gegenseitig auf ihrem Weg unterstützen möchten.
Heilung geschieht in Verbindung – wenn du gesehen wirst, dich zeigen darfst und erfährst:
Ich bin nicht allein.
Ich selbst bin ein Beispiel dafür, dass Heilung möglich ist. Ich lebe mit meiner Geschichte – aber sie bestimmt mich nicht mehr. Jeder Tag ist ein Schritt in Richtung Einklang mit mir selbst. Und genau das möchte ich weitergeben.
Mit Trauma leben lernen – Dein Weg zurück in Verbindung, Sicherheit und Selbstmitgefühl.



